So machst du bessere Nachtbilder

Hast du auch schon die eine oder andere Nacht investiert, weil du schöne Nachtbilder aufnehmen oder den Vollmond fotografieren wolltest und warst hinterher vom Ergebnis enttäuscht? Dann haben wir schon mal etwas gemeinsam 🙂

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du definitiv bessere Aufnahmen machst, was ich nach und nach dazugelernt habe, welche Ausrüstung ich verwende und was ich bei der Vorbereitung beachte. All das ist natürlich nicht in Stein gemeißelt und ich lerne immer gerne dazu. Wenn du also Anregungen oder eigene Erfahrungen hast, schreib sie doch einfach in die Kommentare.

Bildbearbeitung Urlaubsbilder Nachtbilder | Schloss Elmau nachher
2022 fand auf Schloss Elmau wieder das G7 Gipfeltreffen statt. Kurz vorher entstand dieses Nachtbild.

Warum faszinieren uns Nachtbilder?

Nachtbilder sind für uns so interessant, weil sie ein Bild zeichnen, welches wir so nicht gewohnt sind und das für uns nicht alltäglich ist. Um beispielsweise die Milchstraße in einer klaren Nacht gut erkennen zu können, muss man sich an einem Ort befinden, der selbst nicht von “Lichtverschmutzung” betroffen ist. Über einer Großstadt wird der Nachthimmel durch die vielen künstlichen Lichtquellen so aufgehellt, dass unsere Milchstraße dadurch nicht mehr zu erkennen ist. Ein Bild kann solche beeindruckende Anblicke trotzdem wiedergeben, egal wo man es sich gerade anschaut.

Einen zusätzlichen Aha-Effekt schaffen oft auch Lichtspuren, die durch längere Belichtungszeiten entstehen und die unser Auge normalerweise so nicht wahrnehmen kann. Wenn man ein paar grundsätzliche Dinge in der Fotografie beachtet, können eindrucksvolle Nachtbilder entstehen.

Tipps für schöne Nachtbilder

Aufnahmestandort

Ich versuche wann immer möglich, mir bereits bei Tageslicht einen Überblick über die Umgebung und eine mögliche Bildkomposition zu machen. Wenn die Nachtaufnahme nicht nur ein Bild werden soll, das eben bei Dunkelheit aufgenommen wurde, sondern durch die Umgebung und den Kontext in Szene gesetzt wird, ist die Bildwirkung gleich eine ganz andere. Bei dem obigen Bild von Schloss Elmau bin ich von einem Hügel zum anderen gegangen, bis die Straßenführung zu meiner Bildidee gepasst hat.

Gut ist auch ein Standort, der später nicht hell erleuchtet wird, z. B. von einer Laterne. Solches Licht kann Fehlmessungen und Bildstörungen verursachen. Der Untergrund sollte geeignet sein, um ein Stativ stabil aufstellen zu können.

Kameraeinstellung

Mach dich mit den Einstellungen deiner Kamera unbedingt vorher vertraut. Wenn du Nachts suchen musst, wie man den Bildstabilisator oder den Autofokus abstellt, nervt das nur. Achte auch darauf, dass deine Akkus aufgeladen sind. Es wäre doch ärgerlich, wenn du eine gut vorbereitete Aufnahme nicht machen kannst, weil dir der Strom ausgeht.

Dateiformat

Grundsätzlich ist es vorteilhaft, im RAW-Format zu fotografieren und nicht im JPG-Format. JPG´s sind von der Kamera bereits “nachbearbeitet” und komprimiert, so dass nicht mehr alle ursprünglichen Bildinformationen zur Verfügung stehen. RAW-Dateien musst du im Anschluß selbst entwickeln, zum Beispiel mit ADOBE Lightroom oder einem anderen RAW-Konverter. Gerade bei Nachtbildern lohnt sich der Aufwand aber auf jeden Fall. Das Dateiformat kannst du in der Regel im Menü der Kamera einstellen.

Bildkomposition

Die Verwendung eines stabilen Statives mit einem hochwertigen Stativkopf ist Voraussetzung, um scharfe Nachtbilder zu bekommen. Zudem erleichtert ein Stativ die Bildkomposition.

Ich fotografiere bei Nachtbildern gerne mit einer Festbrennweite. Falls du deine Bildkomposition mit Hilfe eines Zoom-Objektives festgelegt hast, solltest du dir für später die eingestellte Brennweite notieren, oder das Objektiv mit einem Stück Klebeband in dieser Stellung fixieren.

Das gleiche gilt für die Fokussierung, sprich das Scharfstellen auf ein Objekt. Tagsüber ist das kein Problem, aber Nachts kommt der Autofokus schnell an seine Grenzen. Jetzt den Fokussierring des Objektivs einfach auf Anschlag in Richtung “unendlich” zu drehen, wird in der Regel zu enttäuschenden Ergebnissen führen, da die meisten Objektive so ausgelegt sind, das die korrekte Fokussierung auf “unendlich” kurz vor dem mechanischen Anschlag erfolgt, damit der Autofokus nicht jedes mal auf Anschlag fährt.

Falls du mit Bildaufbau und Komposition noch nicht so vertraut bist, findest du in meinem Artikel “Bücher für Fotografen” empfehlenswerte Lektüre zu dieser in der Fotografie so wichtigen Thematik.

Belichtung

Überleg dir auch vorher, welchen Effekt du später im Bild haben möchtest. Soll beispielsweise ein Auto eine Lichterspur auf einer Straße entlang ziehen, brauchst du entsprechend lange Belichtungszeiten. Stopp schon tagsüber, wie lange eine Auto für das in Frage kommende Stück Straße benötigt und notiere die Zeit oder stelle deine Kamera im manuellen Modus gleich auf diese Belichtungszeit ein.

Um zu wissen, welche Blende du dazu passend verwenden musst, verwendest du zur eigentlichen Aufnahme dann einfach das Histogramm deiner Kamera. Dieses Diagramm zeigt die Verteilung der Helligkeitswerte in einem Bild. Das Diagramm sollte idealerweise von links bis rechts gefüllt sein, ohne über die seitlichen Ränder hinauszugehen, sonst hättest du links “abgesoffene” Bereiche, die ganz schwarz ohne jede Zeichnung sind, und rechts “ausgebrannte” Bereiche, die komplett weiß sind. Insgesamt ist es aber gut, wenn die “Berge” im Diagramm möglichst zur rechten Seite tendieren (exposure to the right), ohne dabei über die seitliche Begrenzung des Diagramms hinauszugehen.  Hier findest du eine Erklärung zum Histogramm auf Wikipedia.

Histogramm Nachtbilder
Ein Histogramm zeigt die Helligkeitsverteilung und sollte idealerweise von links (reines Schwarz) bis rechts (reines Weiß) gefüllt sein.

Stelle dein Kamera jetzt am besten in den manuellen Modus (M). Das bedeutet, du musst die richtige Belichtungseinstellung selbst vornehmen, was mit Hilfe des Histogrammes aber kein Problem ist. Als Blende kannst du gut die Blende 7.1 verwenden, als ISO-Wert (für die Empfindlichkeit des Sensors) wählst du ISO 100, damit das Bildrauschen möglichst gering bleibt. Die Belichtungszeit verlängerst du jetzt so lange, bis das Histogramm die oben beschriebenen Ausprägung zeigt.

Den Autofokus stellst du ab, damit dieser nicht selbstständig versucht scharfzustellen. Das geht entweder am Objektiv, am Kameragehäuse oder im Menü der Kamera.

Nachtbild Vollmond
Vollmond über dem Tonalepass | PENTAX K70 - 300 mm - f/8.0 - 1/25 s - ISO 100

Aufnahme

Wenn du deine Kamera ausgerichtet und alles soweit eingestellt hast, benutzt du am besten den Selbstauslöser (2 Sekunden) oder einen Kabelauslöser. Das verhindert, dass du beim Auslösen versehentlich die Kamera bewegst. Das würde bei den längeren Belichtungszeiten unausweichlich zu unscharfen Bildern führen. Auch den Bildstabilisator solltest du abstellen. Bei einer auf einem Stativ montierten Kamera bewirkt der Bildstabilisator eher eine Verschlechterung der Bildqualität. Bei vielen Kameras wird der Bildstabilisator abgeschaltet, sobald man den Selbstauslöser anwählt.

Und jetzt heißt es einfach mal testen, analysieren und sich verbessern. Viel Freude dabei!

Ausrüstung

Mach dich nicht wegen des Equipments verückt. Gute Bilder kommen nicht (alleine) durch hochpreisige Ausrüstung, sondern durch gute Fotografen. Grundsätzlich würde ich eher Geld in ein hochwertiges Objektiv oder ein stabiles Stativ investieren, als das neueste Kameragehäuse zu besitzen. Ich persönliche verwende eine PENTAX-Kameraausrüstung, vor allem weil sie robust und bei Verwendung der entsprechenden Objektiven auch wetterfest ist. 

Mehr Informationen zu meinem Equipment findest du auch in meinem Profil auf kit.co

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